Dorfschreiber



Lesung mit den Dorfschreibern

An guadn Gsund und a langs Leben, das wünschten die fünf Dorfschreiber den vielen Besuchern am Ende der Veranstaltung. Davor lagen zwei Stunden reinsten Hörvergnügens. Egon Schäffner machte den Anfang . Mit seiner angenehmen Stimme, den amüsanten kurzen Geschichten brach er sofort das Eis bei den Zuhörern. Bald war klar, es bliebe kein Auge trocken, die Lachanfälle durften allerdings nicht zu lange dauern, um die nächste Pointe nicht zu verpassen.

In schönstem Bayrisch wurden die Geschichten vorgetragen. Alltagsszenen, die jeder kennt und erlebt hat, in Worte gefasst und für den Zuhörer auf den Punkt gebracht. Ob es um den "Ahmed aus Anatolien" ging, der infolge der Integration zum Sepp mutiert, oder "die guten Manieren – von vorn bis hint a oanzige Lüagarei!", jeder im Saal fühlte sich angesprochen. Das ist sicher auch eines der Geheimnisse der Dorfschreiber. Da wird nichts Außergewöhnliches berichtet, sondern über die Schwächen der Menschen warmherzig geschmunzelt, vieles in prägnant kurze Sätze - fast schon bairische Aphorismen - gefasst.

 

Christl Gehrke hatte ebenfalls viele lustige, aber auch nachdenkliche Geschichten auf Lager. Etwa passend zum Muttertag die Erinnerung an die Hände ihrer Mutter – hart vom Arbeiten, aber beim Streicheln und Trösten weich wie Samt. Schön zu hören, welche Nuancen die bairische Sprache auf Lager hat. Wie könnte man so schöne Ausdrücke wie "verhunackelt", "hinterfotzig", oder "Graffe" auf hochdeutsch ausdrücken?

Besonders stimmungsvoll wirkten die instrumentalen Zwischenspiele des Gitarrentrios der Musikschule Großkarolinenfeld. Lehrer Stefan Hutter, Franziska Boos und Marina Schlosser zauberten mit ihren Gitarren eine harmonische, angenehme Atmosphäre. In der Pause konnte man erahnen, woher die Dorfschreiber ihre vielen Ideen nehmen. Was man in Bayern so schön Ratschen nennt dient als Grundlage für die lustigen und besinnlichen Kurztexte.

 

Hans Lautenbacher erzählte humorvoll vom armen Patienten, der von seinen Krankenhausbesuchern mit Essen und Geschichten überhäuft wird, hundertmal seine Krankengeschichte wiederholen muss und einfach nicht zum Erholen kommt. Oder von der schwierigen Namenssuche für das noch ungeborene Kind, bei der sich die ganze Verwandtschaft ereifern muss. Mit dem Ergebnis, dass das Kind noch Jahre später nur "da Bua" genannt wird.
Auch die Geschichten von Barbara Haltmaier und Rosi Heindl ranken sich ums Alltägliche. Wenn man sich zum Beispiel auf der Suche nach einem neuen Gwand in ein solches zwängt und feststellen muss es sei verschnitten. Die Verkäuferin aber feststellt , dass man Hängeschultern , Hohlkreuz und eine schiefe Hüfte habe. In Zukunft kaufe man deshalb sein Gwand lieber gleich im Sanitätshaus. Die Geschichte vom Gebiss von Hans Sollacher gab den Zuhörern den Rest. Da verkrampfte sich das Zwerchfell, zu einem letzten Lachanfall.

 




Veranstaltungs-Info:

Datum: 10. Mai 2003 - 20.00 Uhr
Ort: Max-Joseph-Halle, Großkarolinenfeld