Simone Solga



Simone Solga - "Perle mit Zündschnur"

Simone Wer? Sol-ga, Simone Solga. Noch nie gehört diesen Namen, oder gleich wieder vergessen, bis zum Kabarettabend beim Wirt von Dred. Zierlich, blauäugig, blond und ganz in schwarz, tritt diese „Perle mit Zündschnur“ auf die kleine Bühne und singt das Publikum mit einem Flamenco in ihren Bann. „Let all your sorrows zu Haus..“ das musste die kleine Sachsen- Anhaltinerin nicht zweimal sagen. Die kommenden zwei Stunden waren so prall gefüllt mit Sprachwitz und einer explodierenden Perle nach der anderen, dass man an nichts anderes mehr denken konnte, als an aserbaidschanische Köche, die Sauerländer Quadrille, schwule Ponys oder den Friedhofswärter Ernesto. Was das alles mit Aschersleben zu tun hat? Diese Stadt, zwischen Magdeburg und Halle gelegen „nach der Autobahnausfahrt links hinterm Industriegebiet“, war Dreh- und Angelpunkt des ganzen Abends.

Bissig und scharfzüngig, erzählt Simone Solga vom Rentnerparadies Aschersleben, wo bei einem Durchschnittsalter von 85 Jahren der Förderverein vom Kommunalfriedhof der einzige Verein mit steigenden Mitgliedszahlen ist. Die nächste Stadt sei Halle, wo man Unterwäsche für unter 65- jährige bekommen könne. Der Bistrotisch in der Tankstelle ist der Jugendtreff des Ortes, kein Theater oder Kino sondern Nagelstudios gibt es hier. „Wahrscheinlich, weil den Menschen hier die Probleme unter den Nägeln brennen.“

 

Doch welche wirtschaftliche Nische könnte Simone nutzen, um vom „Gynäkologenfreund mit Altlast“ unabhängig zu sein? Sie versucht es mit einem Restaurant „La Perla“, wo sie ein aserbaidschanischer Koch nach Kräften unterstützt. Doch sie scheitert an Bürokraten mit unsinnigen Feuerschutz und Sicherheitsbestimmungen, muss erfahren dass „Berufsgenossenschaft“ nicht mit Solidarität gleichzusetzen ist . Im Keller hat sie immerhin über vierzig Tiefkühltruhen, die sie nach und nach mit der ätzenden Schwägerin Kathrin aus Leipzig, „Klappe zu Sachse tot“ und anderen unliebsamen Zeitgenossen füllt.

Die Themenbreite des Abends, der ungeheure Sprachwitz , Ironie ,Sarkasmus und die leisen Zwischentöne machen klar, warum Simone Solga erst kürzlich den hessischen Kleinkunstpreis : „Der Überflieger 2003 „, erhalten hat. Auch darüber witzelt sie, und erzählt, dass sie bereits ihre ganze Kücheneinrichtung aus Kleinkunstpreisen zusammengestellt hat. Von der „Goldenen Gabel von Aschersleben“ bis zum „silbernen Schneebesen von Sachsen Anhalt“ sei alles dabei. Nur der Bad Feilnbacher Gurkenhobel fehle ihr noch zu ihrem Glück. Walter Vogl, vom Kulturverein KaroKult reagierte schnell. Am Ende der Vorstellung überreichte er der hoch erfreuten Simone Solga den „original Dreder Grurkenhobel“ .Das restlos begeisterte Publikum erklatschte sich im ausverkauften Saal noch mehrere Zugaben.

Von welch qualitativem Kaliber Simone Solga ist, kann man ihrer Laufbahn entnehmen. So spielte sie 1988 die Hauptrolle in „Das Tagebuch der Anne Frank“, war Mitglied im Kabarett „Leipziger Pfeffermühle“ sowie fünf Jahre Ensembelmitglied der Münchener „Lach- und Schießgesellschaft“. Neben der verleihung diverser Kleinkunstpreise wie dem "Förderpreis Sprungbrett des Handelsblatts 2003", war Sie im Fernsehen u.a. im Scheibenwischer - 7 Tage, 7 Köpfe und Otti`s Schlachthof zu sehen.

 

Münchner Merkur:
Simone Solgas Kunst, Gesamtdeutsches zusammen zu denken und als Pointen auf dem Kabarett funkeln zu lassen, ist derzeit einzigartig.
... ein Hass-Rap aus Schröder-Stoiber-Bush-Geschnetzeltem gehört zu den großzügig verschwendeten Höhepunkten. Doch dann legt sie mit Politkabarett der Meisterklasse nach...
Deshalb gilt an diesem Wochenende ein strikter Kaufbefehl für den Eintritt in...

Main Echo:
Da gab es zwei Stunden temperamentvolle und geistreiche Unterhaltung vom Feinsten, Unterhaltung auf hohem Niveau, die keine platten Botschaften vermittelte, sondern kleine Nadelstiche setzte, die oft länger wirken als grobe Rundumschläge.
Ein besonderer Höhepunkt des Programms: Solgas Lieder, die sie mit ihrer ausdrucksstarken Stimme singt. Nach zwei Stunden war der Beifall riesig und alle Besucher hätten Simone Solga alle möglichen Kleinkunstpreise gegönnt...

Schwäbische Zeitung:
Fein durchdacht, fein ausgearbeitet und fein nuanciert. Aufgekratzt aber nicht aufgedreht, schillernd, von warmem Humor bis beißendem Spott. Die gelernte Schauspielerin merkte man der Solga jede Sekunde an. Grandios auch, wie sie sang, eine Chanteusen-Göre, die je böser ihre Texte wurden, umso engelsgleicher lächelte.
Vor allem aber die Kabarettistin Simone Solga musste man lieben. Für ihren scharfen Verstand, ihr Talent, diesen einzusetzen und für ihr unglaubliches Sprachgefühl, das Polemik überflüssig machte und kluge Gedanken in kluge Sätze verwandelte. Die Solga spielte. Mit ihren Reizen, mit Wahrheitsebenen und mit der Sprache. Sie spielte professionell, vollblütig und intelligent, frech und scharf. Wunderbar!

Peiner Nachrichten:
... Simone Solga hat´s getan, und veni, vidi, vici - hatte das Publikum am Mittwochabend flugs im Griff. Zugänglich, ohne Grelle, mitunter leisetönig gestaltete sie ihr ideensprühendes Reich. Ihre stimmliche Kapazität, gleich einem Spielplatz für Gefühlstönungen jeder Couleur. Eine Show, beglückt gefeiert, eine Frau, spritzig wie Prosecco.

 


Veranstaltungs-Info:

Datum: 9. Oktober 2003 - 20.00 Uhr
Ort: "Wirt von Dred", Jarezöd, 83109 Großkarolinenfeld