Andreas Giebel



Andreas Giebel - "Der Sonne entgegen"

Der Mann braucht nur eine Plastiktüte. Der Inhalt: Pillen gegen Depressionen, ein defektes Teil eines Hometrainers und ein Buch mit dem Titel "Um was geht's eigentlich?" Andreas Giebel zieht die Zuschauer in der Dieselstraße in einen irrwitzigen Strudel aus Absurditäten, die nur aus der Feder des Lebens stammen können. Das Epizentrum seines Angriffs auf die Lachmuskeln ist der Münchner Viktualienmarkt. Hier tummeln sich schräge Typen. Typen, die man irgendwie kennt: Stehtischtrinker wie den komplexbeladenen Placebo und den griesgrämigen Philosophen Puschkin. Und da wäre noch der Gesundheitsfanatiker Elmar und der junge Held, das alter Ego des Kabarettisten. Mit gewichtiger Bühnenpräsenz, leidenschaftlich und mit leichtfüßigen Plauderton reißt Giebel das Publikum immer wieder zu Szenenapplaus hin.

 

Wann fängt die Geschichte eigentlich an? Der mit zahlreichen Preisen bedachte bayrische Kabarettist jagt das Publikum durch den Irrwitz des Lebens. Filmreife, rasante Szenen spulen sich dabei in den Köpfen ab. Giebel schlüpft mit Haut und Haaren in die Rollen seiner Protagonisten. Als alter Freund Elmar aus WG-Tagen schlurft er wie Quasi Modo über die Bühne. Das kommt vom täglichen Üben des Gesundheitsfanatikers auf seinem Gesamtkörpereinsatztrainer. Zur Begeisterung der Zuschauer verrenkt sich Giebel auf dem Stuhl.

Wenn der zwergenhafte Stehtischtrinker Placebo - ständig ist der Komplexbeladene auf der Suche nach einer Frau und folgt dem Ratschlag des Apothekerblattes - das Wort ergreift, hält sich der Kabarettist ein Buch unters Kinn, um den wahren Dimensionen gerecht zu werden. Puschkin philosophiert mit unter der Achsel eingeklemmtem Buch und nervösen Fingerspiel. "Die Revolution frisst ihre Kinder. Heute ist es der Alltag." Er kann aber auch einmal in grauen Pflastersteinen die klassizistische Schönheit entdecken. Auf dem Viktualienmarkt treffen sich Placebo ("I wois net, ob i mir des bloß einbild, aber...") und Puschkin ("Den Geschmack von dem Geruch, den hätte ich gern, aber ohne was zu essen"). Als Dritter im Bunde stößt der junge Held auf Einkaufstour hinzu. Ein Essen für befreundete Ehepaare steht wieder einmal auf dem Programm. Mit satirischen Biss reißt der Kabarettist die bürgerliche Fassade ein.

 

In einer Kneipe verfolgt er eine Unterhaltung am Nebentisch: In den letzten Monaten ist die Susi drei Mal umgefallen. Ohne fremde Hilfe bekommt man die nicht mehr hoch. Dann säuft sie auch noch. Aus Mitleid mit der Molligen wird Giebel Besitzer eines Motorrades. Auf der Suche nach einem Ersatzteil für den Hometrainer macht man mal wieder Pause am Viktualienmarkt. Elmar gerät auf der Rückfahrt mit seinem Fahrrad in die Trambahngleise und wird zum Opfer karrieregeiler Ärzte. Eine skurrile, odysseehafte Irrfahrt auf der Suche nach einem neuen Lebenssinn beginnt. Rubensweiber in der Pinakothek oder einer Striptease-Bar sind allemal besser als die magersüchtigen "Zwietscherln" auf dem Laufsteg. Und Puschkin findet seine Penelope im Rentnerbus gen Süden. Auf dem Weg "Der Sonne entgegen", so der Titel des Programms, feuerte das Publikum jede Menge begeisterte Lachsalven ab.

Eigentlich braucht man über Andreas Giebel nicht viele Worte verlieren – jeder der sich für Kabarett interessiert kennt ihn bestens. Und seit er in der neuen Serie „Bayern 7“ von Franz Xaver Bogner die Hauptrolle spielt, kennt ihn auch der Rest der Welt. Trotzdem noch ein paar Daten, die vielleicht nicht jeder kennt: Seit 1980 ist er auf den Bühnen unterwegs. Er hat Programme zusammen mit Georg Schramm und Urban Priol gemacht und ist Mitglied der Komikern im BR. Seine Solo-Programme aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Aber die dafür verliehenen Preise sprechen für sich. Vom Passauer Scharfrichterbeil über den Saarländischen bis zum Bayrischen und Deutschen Kleinkunstpreis hat Andreas Giebel so ziemlich alles verliehen bekommen, was man als Kabarettist überhaupt erhalten kann.

 

tz, München:
...Andreas Giebel formt seine Typen plastisch und besticht durch außerordentliche Bühnenpräsenz. Dabei kommt er mit wenig Requisiten und ohne Kostüme aus, läßt die verschrobensten Figuren allein aus Worten und einer furchterregenden Mimik entstehen. Seine Figuren sind so unrealistisch realistisch, daß keine Zweifel aufkommen: Das sind Geschichten, die das Leben schrieb. Ein pointensicherer Intellektueller im Schafspelz [...] Ein kabarettistisches Fünf-Sterne-Vergnügen!

Süddeutsche Zeitung:
Brillantes Typen-Feuerwerk!!

 


Veranstaltungs-Info:

Datum: 1. Dezember 2005 - 20.00 Uhr
Ort: Gasthof "Der Bräu", Tattenhausen