Martin Großmann



Martin Großmann - "Zeltwache"

Requisiten: Einige leere Biertragerl, Bierflaschen, ein Bärenkostüm, Taschenlampe und Revolver. Diese karge Ausstattung genügt dem verschmitzten Niederbayern, um sein Publikum abendfüllend zu unterhalten. Sein Heimatverein, der TuS Hengersberg, feiert 100-jähriges Jubiläum. Da ein Bär, der aus dem fernen Wladiwostok ausgewandert ist, die Gegend verunsichert, muss es über Nacht eine Zeltwache geben. Da sitzt er also mutterseelenallein auf seinen Biertragerln und sinniert vor sich hin, der Martin Großmann. Bei seinem „schmatzen über`d Leit“, kommt er vom hundertsten ins tausendste. Der Zuschauer erfährt alles aus seinem Privatleben, seinem Freund Walter – jeder braucht auch einen Deppen zum Freund -, seiner ersten Liebe, seinem Opa – den manche beschuldigen den zweiten Weltkrieg ausgelöst zu haben- , militanten Tierschützern, die alles bei sich aufnehmen, sogar Waldameisen, die von Mountainbikern angefahren wurden. Großmann bringt das alles mit einer Geschwindigkeit, dass man kaum noch lachen kann, um nicht die nächste Pointe zu überhören.

 

Ja, das mit dem Lachen ist bei dem Passauer auch so eine Sache: manchmal bleibt dem Publikum ob der unverfrorenen Gags direkt die Luft weg und es kommt kein lockeres Lachen, sondern ein verhaltenes HohoHo, so nach dem Motto: der traut sich was! Wer während der Vorstellung etwas zu essen bestellte, dem blieb selbiges vielleicht im Hals stecken, erzählte Großmann doch ganz unverkrampft, von eingelegten Popeln, Hitlers Ei im Glas, oder dem Hämorrhoidenpiercing. Zwischendurch zerfließt er fast in Selbstmitleid, heult Rotz und Wasser auf der Bühne. Er begeistert also nicht nur als pointensicherer und wortgewandter Kabarettist, sondern auch als exzellenter Schauspieler. Immer wieder versteht er es, das Publikum einzulullen, in seine harmlos klingenden Erzählungen aus dem Verwandten und Bekanntenkreis, um dann in einem Nachsatz eine richtig hinterfotzige Pointe nachzuschieben.

Er verschont keinen: nicht den Bauern, der von Michwirtschaft auf Asylanten umgestellt hat, den Stall geweißelt, zweihundert Matratzen – „die automatische Futteranlage hat er drin gelassen“, auch nicht den versoffenen Vereinsvorstand, der bei Trauer- oder Jubiläumsanlässen immer wieder das Kulturprogramm des Vereins anpreist: „Eine Stripperin wird euch in das Reich der Erotik führen“ . „Jetzt bin i aber voll ins Private neikemma“, meint Großmann gegen Ende, bevor er im Kampf mit dem „hinterfotzigen Saubären aus Wladiwostok“ den Kürzeren zieht. Das Publikum hatte noch lange nicht genug vom speziellen, niederbayerischen Humor des Kabarettisten und erklatschte sich noch weitere Zugaben.

 

"Großmann baut seine Figuren sukzessive auf, durchleuchtet sie psychologisch. Man braucht sich deshalb nicht wundern, wie unangenehm nahe sie einem kommen können. Großmann spielt die Figuren weniger karikierend als naturalistisch und nähert sich durch seine überzeugende Darstellung immer mehr dem Theater. Ähnliches gab es auch schon in den Volksstücken eines Franz Xaver Kroetz zu sehen."
Stuttgarter Zeitung

 


Veranstaltungs-Info:

Datum: 14. April 2005 - 20.00 Uhr
Ort: "Wirt von Dred", Jarezöd, 83109 Großkarolinenfeld