Georg Schramm



Georg Schramm "Thomas Bernhardt hätte geschossen"

Bitterböses Kabarett - Schramm hält der Gesellschaft den Spiegel vor!

Restlos ausverkauft war die Max-Joseph-Halle in Großkarolinenfeld, wo Georg Schramm sein Programm „Thomas Bernhard hätte geschossen“ vorstellte. Doch ob wirklich jeder im Saal wusste, dass ihn hier kein Weichspüler-Abend zum Lachen, sondern bitterböses, politisches Kabarett erwartet, sei dahin gestellt. So manchem Zuschauer blieb das Lachen bei Schramms knallhartem Abriss der Gesellschaft und dem Aufzeigen der Missstände in Deutschland wahrlich im Halse stecken.

Diejenigen Besucher, die Georg Schramm für den derzeit besten politischen Kabarettisten im Land halten, wurden an diesem Abend einmal mehr in ihrer Meinung bestätigt: Bissiger, ironischer und brutaler kann politisches Kabarett nicht sein. Georg Schramm, der vor seiner künstlerischen Laufbahn über zehn Jahre als Psychologe praktiziert hat, hielt seinen Fans den Spiegel vor. Gnadenlos und detailverliebt zeigte er Deutschland als ein Konsum orientiertes, kapitalistisches Land, in dem Verlogenheit, Grausamkeit und menschliche Misere an der Tagesordnung sind.

 

Und wie erreicht Georg Schramm bei den Zuschauern Belustigung und gleichzeitig gewollte Betroffenheit? Mit teilweise altbekannten Weggefährten, die der Kabarettist mit schauspielerischer Glanzleistung auf der Bühne zum Leben erweckt. So wird das Publikum unter anderem mit „Gastreferent“ Oberstleutnant Sanftleben oder dem Sozialdemokraten August konfrontiert, mit Stammtischbrüdern oder Patienten im Wartezimmer („wir zahlen jetzt ja Eintrittsgeld, wenn wir zum Arzt gehen“).

Als Rahmenhandlung seines Programms bot Schramm den Gästen einen Stiftungsabend der Initiative „Deutschland helfen“. Dabei ging er auf groteske Art und Weise auf die marode Bildungspolitik sowie auf die Arbeits- und Kinderlosigkeit der Deutschen ein: „Jede Familie in unserem Land produziert derzeit statistisch gesehen 0.6 Prozent Söhne. Das bedeutet, man muss zwei Familien für einen Sohn zusammen führen. Und der erste Sohn bekommt den Hof, den zweiten die Kirche und den dritten der Krieg.“ Außerdem diente sein Stiftungsabend dazu, ein Modell aufzustellen, das die Wirtschaft ankurbelt. „Wenn die Kinder verblöden und das Geld ihrer Eltern durch das Handy jagen, dann ist das bei uns Wachstum“. Gewachsen ist Schramms Zorn auf der Bühne von Minute zu Minute. Fast aggressiv und wütend brachte er seine gekonnten Wortklaubereien zum Besten, die an manchen Stellen etwas zu langatmig ausgefallen sind. Trotzdem bewies Georg Schramm mit diesem Abend einmal mehr, dass er es wie kein anderer politischer Kabarettist versteht, die oft grausame Realität, die Angst und Unsicherheit verbreitet, zum Witz werden zu lassen. Nur dass dieser Witz Wirklichkeit ist.

 


Veranstaltungs-Info:

Datum: 22. November 2007 - 20.00 Uhr
Ort: Max-Joseph-Halle, Kolberplatz 1, 83109 Großkarolinenfeld