Vince Ebert



Vince Ebert - "Physik ist sexy"

„Eine Konstellation wie heute wird es nie wieder geben“, erklärt Vince Ebert dem karokult-Publikum und rechnet aus, wie viele verschiedene Kombinationen der Platzwahl existieren. Und das kann er, schließlich ist er Diplomphysiker. Und auch sonst erhofften sich die Zuschauer neue Erkenntnisse: Der Programmtitel „Urknaller – Physik ist sexy!“ lockte viele Wissbegierige an. Und tatsächlich: „Astronomie 1“ kann prickelnder sein als „Emanuelle 3“. Von gleichschenkligen Dreiecken ist da die Rede und spitzen Winkeln. Systeme werden durch äußere Stimulanzien in angeregte Zustände versetzt.

Der 36-Jährige mit der schütteren Wissenschaftler-Frisur hat aber mehr zu bieten als erotische Physikfantasien. Mit sexy meint er das Gegenteil von staubtrocken. Alles hat mit Physik zu tun – die Welt ist ein Labor. Schon mal über das Trägheitsgesetz nachgedacht, wenn der Lebensgefährte vorm Fernseher gammelt? Ob er kosmologische Geheimnisse lüftet oder über den Sinn des Lebens grübelt – immer steht Ebert unter Strom. Besonders anschaulich seine pantomimischen Einlagen als rotes, lethargisches und blaues, energiegeladenes Licht.

 

Sogar politische Phänomene lassen sich physikalisch erklären: Merkel und Co. sprechen zwar großspurig von Quantensprüngen, sind sich aber vermutlich nicht über den Wahrheitsgehalt ihrer Worte bewusst: Der Quantensprung bezeichnet die kleinstmögliche Zustandsänderung auf ein niedrigeres Level. Und während wir zum ersten Mal im Leben nicht im Physikunterricht einschlafen, werden da draußen im Universum drei Millionen Sterne geboren.

Dass Physik sexy sei, heißt es dort im Untertitel. Ein bisschen provokant, oder? Von wegen: „Physikbücher zum Beispiel sind prickelnder geschrieben als das Kamasutra. Man muss nur an der richtigen Stelle lesen“, sagt Vince Ebert. „Da gibt es gleichschenklige Dreiecke, spitze Winkel, Potenzreihen mit komplexen Gliedern, es kommt zu spontanen Entladungen – eindeutiger geht’s doch nicht.“

Auch wenn sich Vince Ebert über das biedere Image seiner Zunft lustig macht: Als Nestbeschmutzer gilt der sympathische Wahlfrankfurter nicht. Zwar hat er Karo-Pollunder und Birkenstock längst gegen modische Hemden und Sneakers getauscht, weiß aber um die Errungenschaften der Physik, „ohne die wir noch immer im Mittelalter leben würden.“ Respekt vor komplexen physikalischen Zusammenhängen entwickelte Ebert früh: Schon als Baby führte er erste Experimente zur Überprüfung der Fallgesetze durch, beim Pinkeln auf einen Weidezaun sammelte er später Erfahrungen mit Elektrizität. „Trotz des Trägheitsgesetztes bestand ich 1986 mein Abitur“, sagt Ebert, der sich anschließend an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg immatrikulierte. „Auf einer Semester-Party nahm ich Pilze zu mir und setzte mich so zum ersten Mal mit mehrdimensionalen, gekrümmten Räumen auseinander.“

Gekrümmte Räume waren auch Steckenpferd von Albert Einstein, dem Popstar der Physikgeschichte. Deutschland feiert 2005 das Einsteinjahr, Anlass sind der 100. Geburtstag der Relativitätstheorie und der 50. Todestag des weltberühmten Wissenschaftlers. Da ist der Stand up-Kabarettist Vince Ebert mit seinem „Urknaller“-Programm zur richtigen Zeit am richtigen Ort – und schafft es, selbst die Relativitätstheorie in einfachste Worte aufzudröseln. „Es kommt auf den Standpunkt an: Die Dauer einer Minute hängt empfi ndlich davon ab, auf welcher Seite der Toilettentür man sich befindet ...“ Okay, Vince Ebert ist vielleicht nicht Einstein, aber er albert gerne.

 


Veranstaltungs-Info:

Datum: 15. März 2007 - 20.00 Uhr
Ort: Gasthof "Der Bräu", Tattenhausen